Die Stadtplanerin


Lemgo ist etwas ganz Besonderes

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Das Büro für Architektur Stadt- und Freiraumplanung, Lichtplanung Anke Deeken aus Bremen ist mit der gestalterischen Planung der Mittelstraße betraut und hat den Planungsprozess von Anfang an begleitet. Sobald die ersten Straßenbauarbeiten für die neue Oberfläche starten, wird sie auch die Bauleitung für den Straßenbau in der Mittelstraße übernehmen.

Frau Deeken, stellen Sie sich und Ihr Planungsbüro kurz vor!

Unser Büro mit Sitz in Bremen besteht im Ursprung bereits seit 1970. Seit 1987 bin ich dabei, zunächst 10 Jahre lang als freie Mitarbeiterin, seit 1997 als Inhaberin. Die Grundlage meiner Tätigkeit war zunächst ein Architekturstudium an der Universität Hannover. Es folgte die Qualifikation als Landschaftsarchitektin sowie ein Weiterbildungsstudium im Fachgebiet Lichttechnik der Universität Ilmenau. Unser Büro hat zur Zeit fünf Mitarbeiter/innen.

Welche Projekte hat Ihr Büro bereits begleitet/umgesetzt?
In den vergangenen Jahren haben wir uns zum Beispiel mit unterschiedlichen Projekten der Freiraum- und Lichtplanung befasst. Nach einem gewonnenen Architektenwettbewerb 2005 haben wir die Erneuerung der Hamelner Fußgängerzone geplant und in der Ausführung begleitet. Entwickelt wurde auch ein neues Beleuchtungskonzept, sowohl das funktionale als auch das atmosphärische Licht, hier insbesondere die Beleuchtung der Weserrenaissancefassaden betreffend. Das Thema Fußgängerzone hat uns auch in diversen anderen Städten beschäftigt, so z.B. in Bünde, Bückeburg, Uslar, der Lutherstadt Eisleben oder der friesischen Stadt Varel.

Welche gestalterischen Aspekte sind in die Planungen der Lemgoer Mittelstraße eingeflossen?BA1- Nachtperspektiv.psd
Das unverwechselbare Gesicht der Alten Hansestadt Lemgo mit seinen vielschichtigen Architekturen und den wertvollen historischen Fassaden ist für uns die Vorgabe für die Neugestaltung des Straßenraumes. Die Mittelstraße wird geprägt durch einen leichten Bogen und durch die kleinteilige Parzellierung der angrenzenden Flurstücke. Giebel- und traufständige Gebäude wechseln sich ab, auffällig sind an mehreren Stellen Reihungen hoher und reich verzierter Renaissancegiebel. Die Gestaltung des Stadtbodens darf nicht in Konkurrenz zu den Fassaden treten, so dass wir eine zurückhaltende Gestaltung ohne allzu viel Möblierung und eine einheitliche Pflasterdecke aus hochwertigem Material gewählt haben. Eine Mittelrinne aus verspringenden Segmenten begleitet spielerisch den langgestreckten Bogen und wird so zu einem prägenden Merkmal der neuen Mittelstraße. Das Lichtkonzept unterstützt das Gestaltungskonzept. Anstelle von Mastleuchten sollen zukünftig unauffällige Wandleuchten an den Gebäuden den Straßenraum ausleuchten. Ergänzt wird das funktionale Licht durch atmosphärisches Licht, schöne Fassaden und Ensemble werden zusätzlich mit einer dezenten Anstrahlung hervorgehoben und schaffen so ein besonderes Ambiente im abendlichen Straßenraum.

BA1- Perspektiv.psd Wie war Ihr erster Eindruck von Lemgo?

Die Einstellung der Lemgoer zu ihrer Stadt ist offensichtlich anders als in vielen anderen historischen Städten. Eine hohe Sensibilität im Umgang mit der historischen Stadt schlägt sich im Stadtbild nieder: Viele Neubauten fügen sich hervorragend in das gewachsene Stadtbild ein ohne auf eine eigenständige und zeitgemäße Architektursprache zu verzichten.

Das hat sich in der Szene herumgesprochen, so dass auch ich bereits als Architekturstudentin nach Lemgo gepilgert bin und erste Eindrücke von der Stadt erhielt. Das Bewusstsein für die Besonderheit der Stadt zeigte sich auch in den vielen engagierten und sachkundigen Diskussionen im Rahmen der Planungswerkstatt. Ich war überrascht und beeindruckt davon, wie schnell wir zu Ergebnissen kamen.

Ich hoffe und freue mich darauf, dass diese Offenheit und das konstruktive und sachliche Miteinander uns auch bei der baulichen Umsetzung begleiten werden. Uns ist bewusst, dass die umfangreiche Maßnahme den Anliegern und Geschäftsleuten in der Straße viel Geduld und Mitwirkungsbereitschaft abverlangen wird, aber ich bin sicher, dass sich die Mühe lohnt.